Von Rebecca von Känel
Es ist kurz vor halb elf. Die Glocken der Kichre schlagen ihre letzten Töne an, die Studenten nehmen ihre Plätze ein. Der Kirchenraum ist erfüllt von lautem Gemurmel, fröhlichem Lachen, Ausgelassenheit. „Ein Semester liegt wieder hinter uns. Wir haben gejubelt und es sind auch Tränen geflossen", so beginnt Dr. Horst Schaffenberger. Als Seminarleiter stellt er diesen Gottesdienst unter die Tageslosung aus Josua 24,17: „Der HERR, unser Gott, hat uns behütet auf dem ganzen Wege, den wir gezogen sind." Nachdem vor knapp 30 Minuten die letzten schriftlichen Prüfungen geschrieben wurden, soll nun Zeit sein, Gott zu loben, Dinge aus dem vergangenen Semester loszulassen und abzulegen.
Egal, was hinter uns liegt: Unser Herr naht. Er kommt. Deshalb: Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe (Ps. 24,7ff)
Zwei mal 119 Tage Semester liegen hinter der Studiengemeinschaft am tsc. Dozent Claudius Buser hält einen Rückblick auf das vergangene Jahr: 2009 war für uns u.a. geprägt von der tsc-intensiv-Woche, von Evangelisationseinsätzen in Südafrika bis in die Ukraine, vom Crea im Juni, wo der Berg immer brummt. Von Ordination, SummerSchool, über ein grossartiges Eröffnungsfest zum Semesterbeginn im August, 100 Jahre Frauenausbildung auf St. Chrischona bis hin zur Strategie- und Schulungskonferenz mit Shane Claiboure. Kleine Schritte in grosser Liebe tun. Yes, we can, weil Gott kann.
Viele Studentinnen und Studenten packen die Gelegenheit und nutzen das offene Mikrophon. Der Eine erzählt von seinem persönlichen Höhepunkt des Jahres, seiner Hochzeit. „Danke, dass ihr mir alle geholfen habt, heiratsfähig zu werden." Der Andere erzählt: „Ich habe bisher hier auf dem Berg 26 Fische gegessen. Das ist mehr als in meinem ganzen Leben vorher." Lautes Gelächter unter den Studenten. Ein Student des 1. Jahrgangs sagt: „Ich bin positiv überrascht von Chrischona. Hier ist neben dem Studium Raum für mehr und die Dozenten sind an uns persönlich interessiert".
Ein besonderer Höhepunkt während dem Gottesdienst ist ein Lied des Lehrerkollegiums. Gemeinsam stehen sie vor der Studentenschaft und singen einen alt-gälischen Text mit einer Melodie, die an Cat Stevens erinnert.
Den Mittelpunkt des Gottesdienstes stellt die Predigt von Dozent Raymond Timm über Lukas 2,1-5 dar. Josef macht sich mit Maria, die hoch schwanger ist, auf den Weg nach Bethlehem. Es ist Vorweihnachtszeit und für die beiden eine höchst unangenehme Situation - auch deshalb, weil sie schwanger ist. Eigentlich wunderschön und völlig natürlich. Aber nicht bei Maria. Aber damals wie heute ist Jesus der Herr. Er, der Löwe aus Juda, das geschlachtete Lamm. Gott erfüllt sein Wort und bereitet Weihnachten vor. Er bezieht Menschen mit ein, auch wenn sie Schwierigkeiten bewältigen müssen. Manchmal müssen wir Schwierigkeiten ertragen, damit Gott zum Ziel kommt. Manchmal ist es nicht schön, nicht gut, aber mittendrin stehen auch wir mit unseren Aufgaben. Für uns ist auch Vorweihnachtszeit. Gott möchte, dass wir seinen Sohn mittragen, mit in die Welt.
Als Studien- und Lebensgemeinschaft dürfen wir anschliessend wieder neu Gottes Gabe an uns annehmen. Wir dürfen ihm unsere Sünden bekennen und er ist treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt. Wir dürfen uns der Bedeutung von Brot und Wein wieder ganz neu bewusst werden und im Abendmahl an den Tisch des Herrn treten, als Studenten, Dozenten und Mitarbeiter am tsc. Mit einem Zitat von Karl Barth bringt es Horst Schaffenberger auf den Punkt: „Das Evangelium ist eigentlich ganz einfach: Welt ging verloren, Christ ist geboren. Freue dich, oh Christenheit." Und nun? Nun kann Weihnachten werden.