Dr. Horst Schaffenberger: Damals gab es von Seiten der Erweckungsbewegung für Frauen noch sehr wenig konkrete biblisch-theologische Ausbildungsmöglichkeiten. Erst elf Jahre zuvor, 1898, wurde die wohl erste theologische Ausbildung für Frauen gegründet. Doch es gab ein grosses Bedürfnis danach. Es war also einerseits eine richtige Reaktion auf die Bedürfnisse der Zeit, aber auch eine mutige Entscheidung des damaligen Komitees. Das Haus zu den Bergen, ursprünglich als Gästehaus und Unterbringung für Gastschüler des Predigerseminars gedacht, wurde zum Ausbildungsort für «Jungfrauen und alleinstehende Frauen, die sich gern im Wort Gottes vertiefen wollen, um ihrem Heiland zur Verfügung zu stehen, entweder für eine Arbeit in der äusseren oder inneren Mission», so der Glaubensbote vom September 1909.
Dr. Horst Schaffenberger: Das wäre damals ja auch undenkbar gewesen. Die Frauenrechtsbewegung steckte ja noch in den Kinderschuhen. So wurde mit einer einjährigen Ausbildung begonnen. Im Jahr 1958 wurde diese Ausbildung auf zwei Jahre aufgestockt und 1975 zu einer dreijährigen Ausbildung umgebaut, die in mehreren Landeskirchen in Deutschland als Diakoninnenausbildung anerkannt ist. Es war also immer ein besonderes Berufsbild, auf das hin ausgebildet wurde. Sehr viele Frauen gingen in die weltweite Missionsarbeit oder in den Dienst in Gemeinden und Kirchen. Heute stehen unsere verschiedenen Ausbildungsgänge natürlich jedem offen, unabhängig vom Geschlecht. Wobei unser dreijähriger BA in Gemeindepädagogik an die dreijährige Ausbildung des so genannten Katechetischen Seminars anknüpft und für dieses Berufsbild ausbildet.
Dr. Horst Schaffenberger: Der einjährige Kurs für Frauen begann exakt am 20. Oktober 1909 mit 12 Schülerinnen. Unsere Feier soll deutlich machen, was Gott in den hundert Jahren, seit wir Frauen ausbilden, getan hat, und den Dienst von Frauen im Reich Gottes würdigen. Wir wollen vor allem unsere vielen alten und jungen Ehemaligen herzlich einladen und mit ihnen gemeinsam feiern. Es wird ein Festtag werden.
Dr. Horst Schaffenberger: Das wäre sicher wünschenswert. In den vergangenen hundert Jahren haben Frauen, die auf St. Chrischona ausgebildet wurden, in Mission und Gemeindearbeit viel geleistet. Wir wünschen uns, dass sich Gemeinden mehr dafür öffnen, Frauen anzustellen.
100 Jahre theologische Ausbildung von Frauen auf St. Chrischona am Sonntag, 1. November 2009
10.00 Uhr Festgottesdienst mit Pfarrerin Sr. Doris Kellerhals, Oberin Diakonissenhaus Riehen
15.00 Uhr Festveranstaltung mit Gratulanten aus aller Welt. Festvortrag von Pfarrerin Dorothea Gabler zum Thema: «Wie Frauen Kirche und Gesellschaft prägen»
Theologisches Seminar St. Chrischona
E-Mail: tsc@chrischona.ch
Telefon: +41 (0)61 64 64 426