Fachtage der Pilgermission St. Chrischona

Teil 4: Klare Vorgaben im konkreten Handeln

#57079

Von Dr. Markus Müller

Vor dem Hintergrund der wunderbaren Konzeption der Ehe und des trotzdem zur Wirklichkeit gehörenden Scheiterns war es naheliegend, sich auch der Frage der Rehabilittation und gegebenenfalls (gelungene Rehabilitation vorausgesetzt) der Frage der Wiederheirat zu widmen. Grundlage des Nachdenkens war ein Referat von Prisca Ruh, Predigersfrau und Eheseelsorgerin, mit dem Schwerpunkt Rehabilitation. Rehabilitation ist auch notwendig , wenn Wiederheirat nicht in Betracht gezogen oder abgelehnt wird.

Klar war, dass gerade die Wiederheirat keine beliebige Sache sein kann. Prisca Ruh nannte drei Grundvoraussetzungen einer gelingenden Rehabilitation:

  • Bereitschaft zu Reue und Busse angesichts des Scheiterns einer ersten Ehe.
  • Versöhnung oder mindestens die Versöhnungsbereitschaft mit dem früheren Ehepartner.
  • Zeit: Ohne dass der Heilung von Verletzungen Zeit gegeben wird, kann und darf die Frage von Wiederheirat nicht gestellt werden.

Im Anschluss an dieses Referat gab es Arbeitsgruppen, die mögliche Fragen und Gedanken zur Zweittrauung zusammentrugen. Dabei stand u.a. die Frage im Vordergrund, was wir tun, wenn wir als Gemeindeleitung oder als Prediger die Wiedertrauung nicht sehen können. Das Risiko: Die Menschen suchen sich den Ort, wo ihr Lebenswunsch und ihre Lebensoption geteilt werden. Leider sehen wir wenig gelungene Beispiele, bei denen Wiederheirat nicht in Frage kam und trotzdem Menschen existenziell und langfristig weitergeholfen werden konnte.

Folgende Fragen und Gedanken wurden von den Teilnehmern in den Arbeitsgruppen zudem genannt:

  • Ehe ist eine öffentliche Angelegenheit, also ist auch die Trennung eine öffentliche Angelegenheit.
  • Lehre zur Ehe - Hilfe zum Eheleben muss in unseren Gemeinden Selbstverständlichkeit sein oder werden!
  • Mit und nicht nur über Betroffene reden!
  • Hilfen für Alleinerziehende von Seiten der Gemeinde? Auch das muss zur Selbstverständlichkeit werden.
  • Welche Hilfe bieten wir Kindern in und nach Trennungsphasen der Eltern an?
  • Finanz-, Budget- und Budgetberatung durch Gemeinde!
  • Rolle der Prediger: Vor allem Koordination von Hilfe - weniger Fachberatung!
  • Berufung zum Single-Sein? Auch das muss - nicht erst anlässlich eines Problems - zum Thema werden.
  • Umgang mit Sexualität nicht privatisieren!
  • Alterskonkubinat zum Thema machen - Vorbildfunktion der älteren Generation!
  • Transparentes Gemeindeleben, auch was das Scheitern betrifft (nicht nur der Ehe)!
  • Das Scheitern - in welchem Bereich auch immer - darf nicht dazu führen, dass man die Gemeinde verlässt. Das Gegenteil wäre angemessen: Ein tieferes sich auf die Gemeinde einlassen wäre dem Evangelium näher.
  • Wäre eine bloss standesamtliche Zweittrauung nicht der angemessene Weg?
  • Bräuchten wir nicht bei feststehender Trennung so etwas wie ein Ritual der Trennung? Oft ist es so, dass Paare sich im Streit oder sprachlos trennen. Zumindest einer der beiden leidet darunter. Gibt es hier Hilfen?
  • Welche Formen einer Wiedertrauung sind angemessen, biblisch vertretbar und menschlich handhabbar (bloss Segnung im Gottesdienst, eigenes Fest, ...?)
  • Wenn Wiedertrauung, dann in jedem Fall unter Einbezug der Vergangenheit und des Einbezugs von Vergebung und Versöhnung.

Diese und ähnliche Fragen zeigen, dass es sich beim Thema "Ehe - Scheidung - Wiederheirat" niemals nur um die Frage handeln darf, ob Scheidung und Wiederheirat möglich oder unmöglich ist. Eine fast unbegrenzte Anzahl Herausforderungen liegen jeder Gemeinde vor den Füssen. Dies betrifft insbesondere Gemeinden, die missionarisch tätig sind und wo Menschen zum Glauben kommen. Die Wahrscheinlichkeit, dass so Menschen zur Gemeinde stossen, die gescheiterte Ehen hinter sich haben, ist verhältnismässig hoch.

 

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