Fachtage der Pilgermission St. Chrischona

Teil 3: Was uns hilft, unseren Weg als Pilgermission zu finden

#57077

Von Dr. Markus Müller

Umgang mit unterschiedlicher, auch biblischer Erkenntnis

An der Strategie- und Schulungskonferenz im November 2005 und im Dozentenkollegium vom 15.3.2006 schien uns, dass biblische Erkenntnis neben der Person Jesus und der Bibel immer eine dreifache Quelle hat: Das biblische Wissen, das gemeinschaftliche Überprüfen und die Bewährung in der persönlichen Nachfolge. Die Mitte ist und bleibt Jesus und sein Wort. (siehe Grafik; auch nachzulesen im Chrischona-Panorama 2-2006):

Auswahl und Betonung bestimmter biblischer Aussagen unterliegen immer auch einer subjektiven Gewichtung. Erkenntnis ist Stückwerk. Sie kommt gemeinsam mit "allen Heiligen" zustande (Epheser 3,17-19). Alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis liegen in Christus verborgen (Kolosser 2,3).

Die Visionstexte

Im Laufe des Jahres 2007 hat uns Gott in besonderer Weise die beiden Bibeltexte Jesaja 61,1-3 und 1. Petrus 2,9 anvertraut. Sie enthalten ein Bild, an denen sich unsere Gemeinden und unser Werk auszurichten versucht. Es schien, dass sie uns eine grosse Hilfe auch bei sehr herausfordernden Themen sein könnten.

Jesaja 61,1-3: Der Geist Gottes des Herrn ist auf mir, weil der Herr mich gesalbt hat. Er hat mich gesandt, den Elenden gute Botschaft zu bringen, die zerbrochenen Herzen zu verbinden, zu verkündigen den Gefangenen die Freiheit, den Gebundenen, daß sie frei und ledig sein sollen; zu verkündigen ein gnädiges Jahr des Herrn und einen Tag der Vergeltung unsres Gottes, zu trösten alle Trauernden, zu schaffen den Trauernden zu Zion, daß ihnen Schmuck statt Asche, Freudenöl statt Trauerkleid, Lobgesang statt eines betrübten Geistes gegeben werden, daß sie genannt werden "Bäume der Gerechtigkeit", "Pflanzung des Herrn", ihm zum Preise.

1. Petrus 2,9: Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, daß ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht.

 

Das Fazit daraus:

  • Zunächst merken wir, wie wir trotz starkem Bemühen, die Bibel richtig zu verstehen, zu unterschiedlichen Auslegungen bzw. zu unterschiedlichem Verständnis einzelner Bibelstellen im Zusammenhang mit Scheidung und Wiederheirat kommen können. Es gibt ein biblisches Verständnis (siehe horizontale Linie), das eher von eng gezogener Grenze oder aber von eher weitläufigen Möglichkeiten herkommt.

  • Einzelne Menschen haben in bestimmten Situationen eher "die himmlische Verheissung" oder eher "die irdische Gebrochenheit" vor Augen. Entsprechend sind ihnen einzelne Aspekte des Themas besonders wichtig. Unterschiedliche Standpunkte werden besonders vertreten. Die eigentliche Gefahr besteht darin, das eine ohne das andere zu sehen: Eine Verabsolutierung der irdischen Gebrochenheit klammert ein göttliches Wirken aus. Und: Niemals kann der Himmel hier auf Erden eingefordert werden.

  • Wir empfinden es als Chance, einen Weg innerhalb eines Korridors zu gehen. Es ist biblisch wie auch menschlich klar: Dieser Korridor, in dem wir gehen, hat links und rechts eine Grenze, die wir nicht überschreiten dürfen: Zum einen die Gesetzlichkeit, und zum andern die Beliebigkeit. Beides ist biblisch nicht verheissungsvoll und menschlich nicht verantwortbar.

  • Die Mitte des Fadenkreuzes ist Jesus selbst. Ihm entgeht nichts, und in ihm ist alles geschaffen, alles gehalten und auf ihn hin ist alles (u.a. Römer 11,36). Wir tun gut daran, ihn in all unserem Denken, Entscheiden und Handeln in der Mitte zu glauben. Uns hilft es - von ihm als Mitte ausgehend - die vorher vorgestellte Skizze als ein hilfreiches Handlungsinstrument zu verwenden: Von Jesus und seinem Wort ausgehend benötigen wir Wissen, das gemeinschaftliche Ringen und die persönliche Bewährung.

  • All unsere Energie wird sich darauf ausrichten, nicht zuerst die Grenzen zu betonen, sondern Jesus in der Mitte und die "Relativierung" all unseres Denkens an ihm. Bildlich gesprochen sorgen wir zuerst für den Brunnen mit sauberem Quellwasser in der Mitte. Unsere Energie investieren wir in das Fliessen "sauberen Wassers" und erst danach in die Schärfung der Grenzlinien.

 

 





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